Ex Profi Doucet hat beim ESV Waldkirchen Großes vor

Er schoss die DEG einst zur Meisterschaft | 01.09.2020 | 08:00 Uhr

„Der ganze Verein soll von mir profitieren“: Ex-Profi Doucet hat beim ESV Waldkirchen Großes vor

von Michael Duschl


Hand drauf: Ex-Profi Benoit Doucet (rechts) mit den Crocodiles-Verantwortlichen (von links) Matthias Worlitschek (1. Vorsitzender), Walter Moser (2. Vorsitzender) und Matthias Nickolmann (sportlicher Leiter) auf die gemeinsame Arbeit beim ESV Waldkirchen. −Foto: Privat

Hand drauf: Ex-Profi Benoit Doucet (rechts) mit den Crocodiles-Verantwortlichen (von links) Matthias Worlitschek (1. Vorsitzender), Walter Moser (2. Vorsitzender) und Matthias Nickolmann (sportlicher Leiter) auf die gemeinsame Arbeit beim ESV Waldkirchen. −Foto: Privat

Ex-Eishockey-Nationalspieler Ben Doucet (57) erklärt im Interview seine neue Aufgabe als Trainer beim Landesligisten ESV Waldkirchen.

Seit ihrer Zeit bei den Fischtowns Bremerhaven haben Sie keine Mannschaft mehr trainiert und mehrere Anfragen abgelehnt. Was macht die Aufgabe in Waldkirchen für Sie nun so reizvoll?
Benoit Doucet: Das Konzept von Matthias Nickolmann mit überwiegend jungen, deutschen Spielern hat mich begeistert. Viele Vereine geben Talenten keine Verantwortung und parken sie in der vierten Reihe. Sie sitzen dann meistens auf der Bank und die Älteren spielen. Ich möchte gerne mit jungen deutschen Spielern arbeiten, die lernen wollen. Diese Möglichkeit sehe ich in Waldkirchen.

Der größte Tag im Leben des Eishockeyprofis Benoit Doucet. Am 28. März 1993 erzielt er im Finale um die Deutsche Meisterschaft zwischen Düsseldorf und Köln in der Verlängerung den Siegtreffer und darf im zweiten Jahr in Folge den Pokal stemmen. −Foto: Horstmüller

Der größte Tag im Leben des Eishockeyprofis Benoit Doucet. Am 28. März 1993 erzielt er im Finale um die Deutsche Meisterschaft zwischen Düsseldorf und Köln in der Verlängerung den Siegtreffer und darf im zweiten Jahr in Folge den Pokal stemmen. −Foto: Horstmüller

Vergangene Saison mussten die Crocodiles gegen den Abstieg in der Landesliga spielen. Sie haben mit der Mannschaft sicherlich andere Ziele, oder?
Doucet: Ja, wir wollen die Playoffs erreichen, aber wir dürfen nicht vergessen: Wir leben in der Corona-Zeit und alle Ligen, inklusive der DEL, stehen vor einem Rätsel. Wir wissen nicht, ob es Playoffs geben wird. Sollte es aber so sein, dann wollen wir uns qualifizieren und ein besseres Ergebnis als letztes Jahr erzielen. Unser großes Ziel ist es, ein junges Team aufzubauen, dass gut genug ist für eine andere Liga. Das wird eine gewisse Zeit dauern. Wir wissen nicht, wie lange es sein wird, weil dahinter ein völlig neues Konzept steht. Es ist meine Aufgabe, das umzusetzen und diese Herausforderung will ich annehmen.

Wie gut kennen Sie die Spieler denn schon?
Doucet: Mit 80 Prozent der Spieler konnte ich bereits Einzelgespräche führen. Da konnte ich genügend Notizen machen für die nächsten Arbeitsschritte. Ich war sehr, sehr begeistert und überrascht, wie fit diese Jungs sind. Trotzdem hat jeder einen Fitnessplan von mir bekommen, weil ich erwarte, dass sie zum ersten Training auf dem Eis im September topfit kommen. Ich will nicht die ersten Einheiten an Ausdauer und Kraft arbeiten.

Beschreiben Sie doch bitte, wie Sie sich erfolgreiches Eishockey in der Landesliga vorstellen.
Doucet: Das kann ich doch nicht verraten, sonst weiß die ganze Liga Bescheid. (lacht) Jeder, der mich als Spieler oder Trainer kennt, weiß: Ich bin kein Freund von defensiver Spielweise, ich will angreifen und die Spieler müssen in der Lage sein, 60 Minuten sehr, sehr hohes Tempo zu gehen. Die Jungs sollen Spaß haben und die Zuschauer attraktives Eishockey sehen – denn dafür zahlen die Fans und es ist meine Aufgabe, den Spielern ein schnelles Spiel zu lernen.

Haben Sie ihren neuen Arbeitsplatz am Karoli bereits gesehen?
Doucet: Bisher habe ich die Eishalle nur auf Fotos gesehen. Das liegt aber an Corona, denn sie war lange gesperrt. Seit zwei Monaten bin ich fast jede Woche einmal in Waldkirchen. Herr Nickolmann und ich telefonieren jeden Tag und einmal pro Woche treffen wir uns, um Punkt für Punkt zu besprechen. Unser Austausch klappt bislang super. Ich hab Erfahrung aus 20 Jahren Profi-Eishockey und er ist ein erfahrener Geschäftsmann. Wenn es ums Budget geht, dann weiß er immer Bescheid. Es ist auch gar nicht verkehrt, dass er als Manager im Sport kein Profi ist, er kennt deshalb oft einen anderen Weg zum Erfolg und leistet hervorragende Arbeit.

Wie ist denn der ESV Waldkirchen strukturell aufgestellt in ihren Augen?
Doucet: Dazu kann ich noch nicht viel sagen. Aber der ganze Verein soll von mir und meiner Erfahrung profitieren. Ich freu mich, wenn sich Trainer der Nachwuchsmannschaften für meine Arbeit interessieren. Ich werde mit ihnen sprechen und will ihnen helfen und auch mal mit den Kindern auf dem Eis stehen.

Wie Benoit Doucet auf seine bewegte Karriere zurückblickt, lesen Sie am Dienstag, 1. September, im Sportteil Ihrer Heimatzeitung und kostenlos nach kurzer Anmeldung am Online-Kiosk.

Was Benoit Doucet (57) anpackt, gelingt in der Regel: Der gebürtige Kanadier ist drei Mal Deutscher Meister im Eishockey mit der Düsseldorfer EG geworden. Rund 20 Jahre lang hielt sich Doucet im Profigeschäft, spielte jahrelang in der deutschen Nationalmannschaft – nun kehrt der 57-Jährige, der in Düsseldorf als Legende verehrt wird und inzwischen in Landshut lebt, an die Basis seines Lieblingssports zurück: Doucet wird Trainer beim Landesligisten ESV Waldkirchen. Die Heimatzeitung hat sich mit ihm über seine neue Aufgabe am Karoli und seine Vergangenheit als Spieler unterhalten.

Herr Doucet, seit Ihrer Zeit bei den Fischtowns Bremerhaven haben Sie keine Mannschaft mehr trainiert und mehrere Anfragen abgelehnt. Was macht die Aufgabe in Waldkirchen für Sie nun so reizvoll?
Benoit Doucet: Das Konzept von Matthias Nickolmann mit überwiegend jungen, deutschen Spielern hat mich begeistert. Viele Vereine geben Talenten keine Verantwortung und parken sie in der vierten Reihe. Sie sitzen dann meistens auf der Bank und die Älteren spielen. Ich möchte gerne mit jungen deutschen Spielern arbeiten, die lernen wollen. Diese Möglichkeit sehe ich in Waldkirchen.

Vergangene Saison mussten die Crocodiles in der Landesliga gegen den Abstiegspielen. Sie haben mit der Mannschaft sicherlich andere Ziele, oder?
Doucet: Ja, wir wollen die Playoffs erreichen, aber wir dürfen nicht vergessen: Wir leben in der Corona-Zeit und alle Ligen, inklusive der DEL, stehen vor einem Rätsel. Wir wissen nicht, ob es Playoffs geben wird. Sollte es aber so sein, dann wollen wir uns qualifizieren und ein besseres Ergebnis als letztes Jahr erzielen. Unser großes Ziel ist es, ein junges Team aufzubauen, dass gut genug ist für eine andere Liga. Das wird eine gewisse Zeit dauern. Wir wissen nicht, wie lange es sein wird, weil dahinter ein völlig neues Konzept steht. Es ist meine Aufgabe, das umzusetzen und diese Herausforderung will ich annehmen.

Lassen Sie uns noch ein bisschen über Ihre Person und Ihre Karriere sprechen.
Doucet: Gerne. Was möchten Sie denn wissen?

Wie es Sie nach Landshut verschlagen hat, wo Sie seit einigen Jahren leben?
Doucet: Ich habe Anfang der 90er beim EVL gespielt und obwohl es nur eine Saison war, viele gute Freunde in der Stadt gefunden. Nach der Entlassung in Bremerhaven (2016, Anm.d.Red.) wollte ich dort einfach weg. Ich mochte Landshut und in Düsseldorf hatten wir lange genug gelebt, darum ging es nach Niederbayern. Und das war eine gute Entscheidung.

Gehen Sie zu Spielen des EVL?
Doucet: In den vergangenen Jahren habe ich fast jedes Heimspiel gesehen in der Oberliga und der DEL2. Manchmal habe ich gute Sachen gesehen, oft aber auch schlimme Fehler (lacht).

Bessere Erinnerungen haben Sie bestimmt an ihre Zeit bei der Düsseldorfer EG. Drei Mal sind Sie Deutscher Meister geworden in den 90er Jahren.
Doucet: Damals haben die Düsseldorfer für Eishockey gelebt und Fußball mit der Fortuna war nicht so interessant. Die ganze Stadt hat mit dieser wirklich tollen Mannschaft gefiebert. Im Finale 1993 war das Stadion so voll, dass wir vom Eis aus keine Treppe mehr gesehen haben. Und dann geht das fünfte und letzte Spiel gegen Köln in die Verlängerung.

Und Sie schießen das entscheidende Tor zur Meisterschaft. Ihr Trainer Hans Zach stürmte jubelnd und schreiend auf das Eis, wie man in Internetvideos von damals sehen kann.
Doucet: Dieser Sieg im Lokalderby wird für die DEG und für mich immer etwas Besonderes sein. So etwas kann normal nicht passieren. Das war die beste Zeit und es gibt sehr viele Erinnerungen. Wir hatten eine sehr starke Mannschaft, viel Talent und ein paar ehemalige NHL-Spieler. Aber wir waren nur so gut, weil wir immer eine super Stimmung in der Kabine hatten.

Sie haben auch in der deutschen Nationalmannschaft gespielt und an drei Weltmeisterschaften und den Olympischen Spielen 1994 teilgenommen.
Doucet: Leider hat es nie zu einer Medaille gereicht, auch wenn wir eine tolle Mannschaft waren und gut gespielt haben. Beim World Cup of Hockey 1996 haben wir die Tschechen – mit Jaromir Jagr – 7:1 geschlagen. Dann mussten wir gegen Kanada und Wayne Gretzky antreten. Alle haben gesagt, da kriegt ihr eine Klatsche. Und wir haben nur 1:4 verloren, gegen die beste Mannschaft von Kanada. Das war ein Riesenerfolg, aber viele Leute haben das leider schnell vergessen. Mit dem heutigen Eishockey ist das alles aber nicht mehr zu vergleichen, es ist jetzt viel, viel schneller.

Was halten Sie denn von den Straubing Tigers. Die haben vielleicht gerade ihre beste Saison der Vereinsgeschichte gespielt. Könnten die Tigers auch mal Deutscher Meister werden?
Doucet: Letztes Jahr hätten sie die beste Chance gehabt. Es gab mit München, Mannheim und Straubing drei starke Mannschaften und ich bin mir sicher, dass sie es ins Halbfinale geschafft hätten. Ich bin traurig wegen der Absage der Playoffs. Ich hätte diese Mannschaft so gerne in den Playoffs gesehen. Ich hoffe, sie können nochmal eine ähnliche Leistung zeigen. Aber die anderen großen Vereine wie Berlin oder Köln, die haben Straubing gesehen und werden nicht länger schlafen. Und die haben finanziell andere Möglichkeiten.

Interview: Michael Duschl.

Quelle( PNP)